Geschichte der Gemeinde Güster

Die Ortschaft Güster wird 1230 im Ratzeburger Zehntregister erstmals als “Guztrade” mit 14 Hufen urkundlich erwähnt. Damit war es neben Müssen das größte Dorf im Kirchspiel Siebeneichen. Urnenfunde aus den Jahren 1911 und 1930 deuten jedoch auf eine ältere Siedlung hin.


Güster war ein typisches Rundlingsdorf mit nur einem Ausgang nach Westen. Die zweite Erwähnung des Bauerndorfes erfolgte 1345, als der Möllner Bürger Heinrich Smylow für den Marienaltar 10 Taler aus seinen Einkünften aus Güster spendete. In den Bederegistern des frühen 16. Jahrhunderts wurden die Abgaben der Güsteraner Bauern erfaßt. Seit dieser Zeit gehörte das Dorf den Daldorps in Wotersen.


Der Dreißigjährige Krieg verschonte auch Güster nicht, und so legten die Dalldorfs nach 1648 vier wüst gewordene Hufen zu einer Schäferei zusammen. Als die männliche Linie der Dalldorfs 1714 ausstarb, kam auch Güster in den Besitz der Bernstorffs, der neuen Herren auf Gut Wotersen. Güster lag an dem zwischen 1391 und 1398 erbauten Delvenau-Stecknitz-Kanal, der “nassen Salzstraße” nach Lübeck. Dies brachte der Ortschaft jedoch keine größeren wirtschaftlichen Gewinne. Noch 1880 war Güster ein reines Bauerndorf mit etwa 20 Wohnhäusern und 776 Hektar Fläche. Einen entscheidenden Strukturwandel Güsters läutete der Bau des Elbe-Lübeck-Kanals (1896-1900) ein. Dabei wurden bedeutende Kiesvorkommen in der Gemeindefeldmark entdeckt. Neben dem günstigen Wasserweg gewann auch die Nähe zur Eisenbahnstrecke Lübeck-Büchen transporttechnische Bedeutung.


Um die Jahrhundertwende begann sich die Hansestadt Hamburg sprunghaft zu vergrößern und auszudehnen. So entstand in dem nur 50 Kilometer entfernten Hamburg ein Markt mit großem Bedarf an Kies für Bauvorhaben. Es setzte ein regelrechter Ansturm durch geschäftstüchtige Kaufleute auf die Kieslager in Güster ein. In ganz Norddeutschland ist Kies aus Güster verbaut worden. Große Projekte waren die Walddörferbahn, das Bahnhofsgebäude in Lübeck, die Spitaler- und Mönckebergstraße in Hamburg, der Torpedoboot-Hafen in Cuxhaven, die Befestigung Helgolands, die Erweiterung des Nord-Ostsee-Kanals und die Autobahn Hamburg-Lübeck. 1911 passierten täglich 40 bis 50 Schiffe den Kanal. Im Jahre 1912 betrug die Zahl der ausgehenden Schiffe bereits 1.797 mit einer Ladefähigkeit von insgesamt 748.677 Tonnen. Die tatsächlich beförderte Ladung betrug 655.235 Tonnen. Güster stand damals im Binnenschaftsverkehr als Hafen an dritter Stelle in Deutschland. Es wurde nur von Duisburg-Ruhort und Berlin übertroffen. Erst 1981 wurde der letzte Kiesgewinnungsbetrieb geschlossen.


Aus dem ausgebeuteten Kiesgelände von einst ist heute eine reizvolle Naturlandschaft geworden. Bereits um 1950 begann der Fremdenverkehr mit den Hamburger Wochend- und Feriengästen, die Erholung an den Seen suchten. Mit über 900 Stellplätzen für den Campingbetrieb und über 350 Wochenendhäusern und weiteren Unterkünften zählt Güster heute zu den beliebtesten Fremdenverkehrsorten im Amt Büchen. Nicht zuletzt die verkehrsgünstige Anbindung an die 1982 eröffnete Autobahn Hamburg-Berlin hat diese Entwicklung begünstigt. Der Elbe-Lübeck-Kanal hingegen, der im Jahre 2000 100 Jahre alt wurde, ist für die Gemeinde Güster von keiner nennenswerten wirtschaftlichen Bedeutung mehr. Das Vereinsleben in der Gemeinde mit 1.370 Einwohnern (Stand: 2015) wird im wesentlichen durch die Freiwillige Feuerwehr, das Deutsche Rote Kreuz, den SSV Güster, den Förderverein Güster und die Kyffhäuser-Kameradschaft gestaltet.